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Zwischenbericht über Thurgauer Auswanderer in die Kurpfalz nach dem Dreissigjährigen Krieg (1640-1740)

Thurgauer Auswanderer in den kurpfälzischen Kraichgau nach dem Dreissigjährigen Krieg

Der Odenwald im Norden, der Schwarzwald im Süden, die Hochrheinische Tiefebene im Westen und die Neckargegend im Osten begrenzen die Kurpfalz. Ihr Herzstück, der Kraichgau, gilt mit seiner sanften Hügellandschaft als die «Toskana von Baden-Württemberg.»

Wegen der strategisch wichtigen Lage war die Kurpfalz ein sehr bedeutender Aufmarsch-, Durchzugs- und Kriegsplatz verschiedenster Heere. Nach dem Dreissigjährigen Krieg gehörten die Kurpfalz und insbesondere der Kraichgau zu den am schlimmsten zerstörten Gebieten Deutschlands. Deshalb rief der Kurfürst zu wiederholten Malen Ausländer zum Wiederaufbau ins Land, die er mit diversen Privilegien lockte.

In der Schweiz herrschte dagegen in vielen Gegenden Überbevölkerung, und Miss- ernten führten zu Hungersnöten. überdies fehlte in den reformierten Gebieten wegen des Reislaufverbots der ausländische Söldnerdienst als «Ventil».

So zogen, von der eidgenössischen Obrigkeit oft massiv gefördert, Tausende von jungen Leuten, aber auch ganze Familien aus den reformierten deutschsprachigen Ständen (Ausnahme Glarus!) «ins Land hinab.» Diese Schweizer passten von der Sprache und Konfession her (die Kurpfalz war das grösste calvinistische Gebiet Deutschlands!) am besten in den Kraichgau und stellten mit Abstand die grösste Zuwandergruppe. Mein Heimatkanton Thurgau stellt etwa 7 Prozent der Auswanderer.

Auf die Auswanderung als prägendes familiengeschichtliches Merkmal kam ich beim Erfassen meiner Herkunft väterlicherseits, der Burkhart von Weinfelden. Im Bevölkerungsverzeichnis des Jahres 1684 hat der Pfarrer zu Peter Burkhart, Schuhmacher, und seiner Familie notiert: «Sind in das Württembergerland gezogen.» Das «Einwandererbuch» verzeichnet einen Kaspar Burkhart von Weinfelden «an Weihnachten 1701 am Abendmahl in Weingarten-Karlsruhe.» In der Mormonen-Datenbank IGI fand ich dann tatsächlich, dass dieser Kaspar 1685 in Cleebronn HN als Sohn des obigen Peter geboren worden war!

Nun bin ich daran die weiteren Thurgauer Auswanderer zu bearbeiten. In Deutschland interessieren die «Schweizer» wesentlich mehr als bei uns. So hat ein Arbeitskreis unter der Leitung von Kreisarchivar Konstantin Huber (Pforzheim) seit Jahren ein «Mammutprojekt» laufen, das auch soziographische Aspekte der Immigration wie Heiratsverhalten, Geschlechterverhältnis, Berufsfelder usw. umfassen soll. Herr Huber hat mir freundlicherweise einen Datenbankauszug mit 310 Thurgauern zur Verfügung gestellt.

Mein Beitrag dazu soll sein, dass aus Herkunftsbezeichnungen wie «auss der Schweitz, auss dem Thurgau» oder «aus dem Thurgay, unweit vom Bodensee» klare Thurgauer Orte werden.

Aber ob aus einer «Kunigunde BRUMLER von Rosbach/TG» und einem «Zacharias HOR von Wartenvil/TG» sich schliesslich ein typisches «Mostindien-Paar» rekonstruieren lässt, daran habe nicht nur ich einige Zweifel...

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