Zitat Dr. H. U. Pfister aus dem Referat 2002 vor dem Verein für Ortsgeschichte Niederweningen (sinngemäss «Thurgauer» statt «Unterländer»)

«Im 17. Jahrhundert zog es die eidgenössischen Auswanderer, unter ihnen viele Thurgauer, vorwiegend in das Gebiet um Württemberg. Die Landstriche im heutigen Deutschland harrten nach dem Dreissigjährigen Krieg, der 1648 sein Ende fand, der Urbarmachung. Das Land war nach all diesen Jahren verwildert. Es bestand ein Mangel an Menschen oder vielmehr an Arbeitskräften. Und dies kam für die Eidgenossen gelegen, denn sie waren nicht vom Krieg betroffen, und damit hatte sich die Bevölkerungszahl konstant nach oben entwickelt. «Weder in katholisches noch in Täufergebiet durften die Thurgauer auswandern», hält Pfister die Maxime der Zürcher Obrigkeit fest. Taten sie dies doch, gingen sie ihres Vermögens in der Heimat verlustig, denn die Gemeindepfarrer hatten der Zürcher Obrigkeit zu melden, wohin ihre Schäfchen abwanderten. Weil über diese Meldungen Buch geführt wurde, ist heute bei einem Grossteil der Wanderwilligen nachvollziehbar, wo sie sich niederliessen. Die Eidgenossen siedelten beieinander, hatten meist ihren aus der Heimat bestellten Pfarrer und heirateten oft ihresgleichen. Taufen und Heiraten meldeten sie oft in ihre Heimatgemeinden, weil sie sich so das Bürgerrecht erhalten konnten.»

Geschichtsdaten Kurpfalz 1600-1740 (nach Andreas Karstens)

1619
Die böhmischen Stände setzen Ferdinand II. als König von Böhmen ab und wählen stattdessen den Unionsführer Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz zum böhmischen König. Der ursprünglich innerhabsburgische Konflikt wird nationalisiert.

1620
In Württemberg muss Johannes Kepler seine Mutter gegen den Vorwurf der Hexerei verteidigen. Das pfälzisch-böhmische Unions-Heer unter Friedrich V. von der Pfalz wird vom Heer der kaiserlichen Liga unter Tilly vor den Toren Prags in der Schlacht am Weissen Berge geschlagen, Friedrich wird geächtet und flieht Hals über Kopf (jetzt nur noch der "Winterkönig") nach Holland. Seine Kurpfalz fällt an Bayern. Der böhmische Ständeaufstand ist niedergeworfen, der Protestantismus in Böhmen wird unterdrückt werden.

1622
Eroberung Heidelbergs durch Tilly.

1623
Kaiser Ferdinand II. belehnt als Dank für die Unterstützung im böhmischen Krieg den bayerischen Herzog Maximilian I. mit der Pfälzer Kurwürde und erfüllt damit ein lange gehegtes Ziel bayerischer Politik.

1629
Kaiser Ferdinand II. verlangt mit dem Restitutionsedikt von den Protestanten, alle seit 1552 eingezogenen geistlichen Güter herauszugeben. In Frankreich werden den Hugenotten alle politischen Privilegien genommen, sie behalten jedoch ihre Religionsfreiheit.

1688-1697
Pfälzischer Erbfolgekrieg

1693
Frankreich erobert und zerstört Heidelberg aufs neue. Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden ("Türkenlouis") hält die vordringenden Franzosen bei Heilbronn auf.

1699
In Deutschland gibt es derzeit etwa 100 Reichsfürsten und ca. 1.500 kleine bis kleinste selbständige Herrschaftsgebiete.

1709
Die Auswanderungswelle aus dem süddeutschen Raum erreicht einen Höhepunkt. Seit 1683 sind ca. 14.000 Pfälzer nach Nordamerika ausgewandert.

1725
Karlsruhe wird gegründet.

1733
In der Markgrafschaft Baden-Baden stirbt die Markgräfin Sibylla Augusta, Gemahlin des "Türkenlouis", in Ettlingen.

© 2008 Peter Burkhart : Chur - Webdesign MUNDS